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Lernen und Reisen verbinden - Das geht? Ja! Sogar mit Jurastudium


Dear Diary,

immer wieder wurde ich gefragt, wie ich eigentlich neben meinem Jurastudium so viel reisen konnte. Tatsächlich habe ich mir einen Studiengang ausgesucht, der überdurchschnittlich viel Lernaufwand erfordert. Dennoch bin ich gerade 2019 sehr viel gereist. Und das, obwohl ich mitten in der Examensvorbereitung für mein erstes Staatsexamen steckte. Für alle, die kein Jura studieren: Das Studium ist nicht in Bachelor und Masterstudium aufgeteilt. Stattdessen schreiben wir Jurastudenten ein bzw. zwei Staatsexamen. Die Examina sind so umfangreich, dass wir zur Vorbereitung lange und durchgehend lernen müssen. Daher scheint es nach außen hin wahrscheinlich wirklich verwunderlich, dass ich trotzdem so viel reise. Wie also schaffe ich das?

Wenn ich danach gefragt werde, ist meine erste Antwort: Du kannst dich nicht mit mir vergleichen! Generell solltest du dich nicht mit anderen vergleichen. Jeder lernt und arbeitet anders, jeder hat andere Verpflichtungen, jeder nutzt seine Zeit anders. Das ist einfach so. Beispielsweise habe ich mein Jurastudium nicht „gewöhnlich“ gestaltet. Ich habe zwei Semester im Ausland studiert und ein weiteres Semester für einen internationalen Moot Court ausgesetzt. Das ermöglichte es mir, im Examen alle Rechtgebiete voneinander abzuschichten, was eher ungewöhnlich ist. So musste ich mich meist nur auf ein Rechtsgebiet fokussieren und hatte gefühlt mehr Zeit für alles. Außerdem ist meine Lebensgestaltung im Zweifel ganz anders als deine. Du hast möglicherweise andere Hobbies oder Verpflichtungen als ich und kannst daher nicht so viel reisen. Es kommt also sehr auf deine persönlichen Umstände an, ob du viel reisen kannst!

Ein weiterer Punkt, der mich möglicherweise von dir unterscheidet, ist meine Lernweise. Denn ich kann letztendlich überall lernen, jedenfalls abhängig davon, was ich gerade mache. Das kann nicht jeder. Du musst also der Typ dafür sein. Daher lerne deinen Lerntyp kennen! Was kannst du auch unterwegs auf den Reisen machen? Vielleicht Zusammenfassungen oder Karteikarten schreiben? Für was brauchst du hingegen eine ruhige Umgebung ohne Ablenkung? Wenn ich etwas auswendig lernen oder verinnerlichen muss, dann kann ich das nicht unterwegs. Daher würde ich kurz vor einer Klausur niemals auf Reisen gehen. Da bin ich dann zuhause und lerne intensiv ohne Ablenkung.

Dir sollte auch bewusst sein, dass meine Reisen kein Bilderbuch-Urlaub waren, bei dem ich am Strand die Augen zu gemacht und entspannt habe. Die Autofahrten habe ich zum Schreiben meiner eigenen Skripte genutzt. Statt eines Romans habe ich Fälle gelesen. Vor dem Schlafen gehen, mussten noch die letzten Seiten aus einem Lehrbuch gelesen werden. Wenn wir gerade nicht auf Wandertour & Co. waren, habe ich gelernt. Zusätzlich musste ich die Zeit, die ich im Urlaub weniger gelernt habe, zuhause dann umso mehr wieder reinholen. Ich saß gerne mal von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr abends am Schreibtisch, den ich nur zum Essen und für Pinkelpausen verlassen habe. Ab und an musste ich auf einiges Verzichten, beispielsweise einen Partyabend mit meinen Freunden. So einfach wie es gewirkt hat, war es also gar nicht. Den Aufwand war es mir allerdings wert.

Mit der Zeit habe ich auch eine richtige Balance zwischen Lernen und Reisen gefunden. Ich habe angefangen, mir Lernpläne zu schreiben. Das hat mich anfangs erstmal runtergezogen, weil ich nie in der Zeit war. Nach und nach konnte ich aber immer besser einschätzen, wie viel Zeit ich wofür brauche. Ich lernte, mir nicht zu viel aufzulasten und realistisch zu planen (das ist übrigens auch unabhängig davon, ob man reist oder nicht, wichtig!). Um mein Studium neben dem Reisen nicht zu vernachlässigen, habe ich ziemlich weit im Voraus geplant und sehr detailliert. Ich habe Tag für Tag geguckt, wie viel Zeit ich realistisch zum Lernen habe und wie viel ich in der Zeit schaffen kann. Außerdem habe ich geschaut, was ich davon auf den Reisen machen kann und was ich besser in Ruhe erledigen sollte. Anhand dessen habe ich einen Tag nach dem anderen geplant. Am Ende hatte ich einen Plan erstellt, auf dem genau stand, welches Thema ich wann behandeln muss und wie viele Seiten ich pro Tag schaffen muss.

Selbstverständlich hat sich mein Lernplan danach noch ständig verändert. Mal war ich mit einem Thema schneller als gedacht durch, mal habe ich doch etwas länger gebraucht. Ich habe meinen Plan also oft umgestellt (daher eignet es sich, den Plan digital zu erstellen). Bin ich mit einem Thema nicht in der Zeit durchgekommen, dann musste ich den verbliebenen Stoff auf die anderen Tage aufteilen. Das Planen weit im Voraus hat mir im Endeffekt also eher dabei geholfen, den Überblick zu bewahren. So konnte ich genau einschätzen, welchen Lernaufwand ich habe und welche Reisen ich zeitmäßig antreten kann oder eben nicht.

Übrigens spielt auch die Wirkung auf Instagram eine riesige Rolle! Wir sind vielleicht zwei Tage verreist, es sind aber sagen wir mal zehn gute Fotos entstanden. Wenn ich die nun alle hochlade, dann wirkt es auf Instagram vielleicht so, als wäre ich eine ganze Woche unterwegs gewesen. Was aber nicht stimmt. Oft haben wir „nur“ Wochenendtrips gemacht. Wir sind freitags nach der Arbeit los und meist sonntags oder montags wieder gekommen. Während wir also unser Wochenende in Paris verbracht haben, sind andere vielleicht an den See gefahren und haben sich mal einen Tag Pause vom Lernstress gegönnt. Ich habe meine Freizeit nur anders gestaltet als andere. Meine Freizeit bestand aus Reisen, während andere vielleicht einen Serienmarathon eingelegt haben. Das habe ich dann nicht noch zusätzlich gemacht. Ich habe also einfach andere Prioritäten gesetzt. Effektiv war meine Lernzeit also gar nicht viel weniger als bei anderen. Und wenn ich dann doch mal mit Freunden ins Freibad wollte, dann hatte ich immer was zum Lesen für die Uni dabei.

Ich muss aber auch ganz ehrlich mit dir sein! Lernen und Reisen zu verbinden, musst du nicht nur können, sondern vor allem wollen. Es gehört einiges an Disziplin dazu, im Freibad ein paar Strafrechtsfälle zu lesen, während die anderen Beachvolleyball spielen. Selbstverständlich habe ich auch mal eine halbe Stunde mitgespielt, danach ging es dann aber wieder auf die Decke zu meinen Fällen. Das war nicht immer einfach. Nur die Aussicht auf eine neue Reise hat es einfacher gemacht.

Klingt jetzt etwas stressig, oder? Die Examensvorbereitung ist aber - denke ich - immer stressig. Daher ist das Wichtigste von allem, dich nicht noch selbst zu stressen. Höre auf deinen Körper! Wenn er eine Pause braucht, dann gönn ihm die. Du willst eine gute Note und kannst dir keine Pause erlauben? Bullshit! Mir sind gute Noten auch wichtig. Aber für welchen Preis? Du solltest neben dem Lernen immer noch leben! Wird dir die eine Pause am Ende wirklich einen Punkt in der Klausur kosten? Und wenn ja, ist dieser eine Punkt wirklich so wichtig? Selbstverständlich hängt von deinem Abschluss einiges ab. Hast du einen guten Abschluss, ist es wahrscheinlich einfacher einen guten Job zu ergattern. Daher solltest du es natürlich ernst nehmen. Vergiss dabei einfach nur nicht, dein Leben zu leben! Denn was hast du davon, wenn du am Ende eine super Note und einen gut bezahlten Job hast, aber nicht glücklich bist?

Find es selbst heraus! Find deine persönliche Balance!

xx Chiara

Meine Tipps 

zusammengefasst:

  • Vergleiche dich nicht mit anderen!
  • Lerne, dich selbst einzuschätzen.
  • Gestalte deine Lernziele realistisch und laste dir nicht zu viel auf.
  • Plane weit im Voraus.
  • Find heraus, was und wie du auf Reisen lernen kannst.
  • Sei diszipliniert!
  • Setze dir Prioritäten.
  • Mach dir selbst nicht zu viel Stress!